Von Kunst und Exzess

Wenn eine Rose einlädt, kann man mit einigen Überraschungen rechnen. Wenn eine Rose wie Louis l’Amour einlädt kann man sicher sein, dass einiger dieser Überraschungen die Schamesröte ins Gesicht treiben werden. Und so war es auch bei seinem Debütabend in der Hamburger Gesellschaft. Schon lange ist der Toreador nun Gast in der Stadt und nach vielen Abenden, an denen sich der Posseur nur den Freuden des Gastes hingab, war es im September so weit. Louis lud die Gesellschaft in einen Swingerclub ein, um ihnen sein Kunstverständnis zu offenbaren. Er wollte der Tristesse und Langeweile des Hamburger Hofes ein Ende machen. Es war also nicht weiter verwunderlich, dass in Kriegszeiten nicht jeder Bürger der Domäne mit Freuden daran teilnahm. Insbesondere wohl auch deswegen nicht, weil Louis von seinem Recht als Gastgeber Gebrauch machte und besondere Regeln, wie das Tragen von Masken, aufstellte. Nach einer brennenden Rede, dass ein jeder an diesem Abend Leinwand und Künstler zugleich sei, übergab er den Gästen eigens gepackte goodie bags. Der Inhalt jener Tüten sorgte schon für Verwirrung. Louis hatte „um die Stimmung zu lockern“ Sexspielzeug und Kondome en masse verschenkt. Man sah dem Toreador deutlich an, wie sehr er diese Grenzüberschreitungen und Tabubrüche genoss. Unaufhaltsam überschlugen sich dann die Ereignisse. Die Gäste schufen unter Louis kritischem Blick Kunst, wie sadistische Raubtiere eben Kunst schaffen. Und so kam Carlos Oswald, gerade erst wieder freigesprochener Brujah, eine besondere Rolle in einem abstruses Stück zuteil. Roxane la Blanche inszenierte in drei Akten den tragischen Fall und Aufstieg eines Romanhelden. Mit Demütigungen, Fall und der Wiederauferstehung aus der Asche. Auch die anderen Gäste ließen sich nicht lumpen, waren aktiv und entsprachen den Wünschen des Gastgebers. Eine weitere Darbietung lieferten der Ventrue James Harrison Fitzroy und die Rose Gaspar über die Freiheit, die das Vergessen einem schenkten konnte. Der Saulusier selbst wählte für sich die Opferrolle und zeigte an einem Stück, welche Freiheiten er genoss, wenn er nicht immer wieder an einen tragischen Vorfall erinnert wurde. Diese Freiheit wurde ihm prompt wieder genommen und für ihn brauch eine Welt zusammen.

Fast schien es so, als wollten sich die Gäste an diesem Abend an Ausgelassenheit übertreffen. Und so blickte die Schar auf ein ganz eigenes Spiel zwischen der Tremere Dr. Almuth Lieblich, der Gangrel Blake o‘ Neill und dem Hahn im Korb. Kris Wolf. Wie sich die Gesellschaft nach diesem feucht-fröhlichen Abend entwickeln wird, vermag keiner zu sagen. Es scheint, als hätten sie für einen Abend komplett den Bezug zur Realität verloren und darüber hinaus vergessen, dass Krieg in Hamburg herrscht.

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