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Komm und spiel mit mir

Toreador sind bekannt für ihre Kunst, das weiß jeder. Die meisten Gäste dürften daher bestimmte Vorstellungen gehabt haben, als sie auf den Abend kamen, an dem Gaspar ihnen seine Kunst demonstrieren wollte. Nun, wer Gaspar kannte, hätte ahnen können, dass der Abend besonders werden würde. Aber wahrscheinlich hatte niemand das volle Ausmaß dessen, was dann geschah, vorhergesehen. Sonst hätte es auch keinen Grund gegeben, dort zu erscheinen, von perfidem Voyeurismus einmal abgesehen.

Man fand sich also ein, bereit, Gaspars Kunst zu betrachten. Der Abend fing relativ harmlos an, man plauderte, man trank mit Drogen versetztes Blut – soweit nichts, was man nicht schon bei anderen Toreadoreinladungen gesehen hätte. Auch Tische, an denen verschiedene Emotionen (Wut, Trauer, Scham) Thema sein sollten hatte der eine oder andere vielleicht schon einmal gesehen. Aber auf irgendeine seltsame Art und Weise griffen die Themen an ihren Tischen. Der Brujah Carlos sank heulend und schreiend am Trauertisch zusammen, die Tremere Lieblich verlor vollkommen ihre Fassung durch die Wut und auch auf andere hatten die Tische einen enormen Effekt. Unbeteiligte Beobachter hätten vielleicht gesehen, dass es im Wesentlichen die Gäste waren, die sich gegenseitig sadistischerweise zerstörten, aber die Gäste selber waren zu benebelt von Drogen, Blut und Spieltrieb, sodass die Spirale sich immer weiter drehte.

Doch nichts davon war vergleichbar mit dem, was Gaspar dann als seine Kunst präsentierte. Er bat die Anwesenden in den Nebenraum und absolvierte einen Tanz mit Roxane, daraufhin sollte sie, mit verbundenen Augen, ein Versuchskaninchen für ihn aussuchen, an dem er seine Kunst demonstrieren könne. Ihre Wahl fiel auf Almuth Lieblich. Sie trat vor, sah Gaspar an – und alles geriet außer Kontrolle. Für die Anwesenden verwischten sich die folgenden Minuten in einem Nebel aus Wut, Schmerz, Blut und Tränen, bis am Ende Lieblich, Dr. Fell, Pereira und andere vollkommen neben sich am Boden lagen. Almuth Lieblich schien vollkommen gebrochen, Karla Fell war scheinbar mit hineingezogen worden und diverse andere sahen ebenfalls so aus, als ob diese Darstellung von Gaspars Kunst sie gezeichnet hätte. Was hatte er getan? Wohl keiner der Anwesenden war noch so bei Sinnen, dass er es hätte vollständig beschreiben können, jeder Gast war ohnehin zu sehr mit den eigenen Dämonen beschäftigt. Jeder – außer Gaspar, der zufrieden lächelnd zwischen seinen derangierten Gästen einherschritt und sie, verstört wie sie waren, in die Nacht entließ. Sicher würden einige aus Sensationsgier noch einmal Gaspars Kunst sehen wollen, aber tief in ihrem Innern würde immer die Angst lauern, dass sie möglicherweise an Lieblichs Stelle treten könnten – und ein Blick in ihr Gesicht, als sie ging, sagte mehr als deutlich, dass das niemand wünschen würde.

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