Gnade vor Unrecht

Inzwischen haben die Hamburger Vampire gelernt, dass eine Einladung, die der Fürst in seiner „unendlichen Güte“ ausspricht, meist unangenehm für sie wird. So auch dieses Mal. (Vor-)geladen waren die Hamburger, weil der Fürst Strafen aufheben wollte, die er im April über Carlos Oswald und Rüdiger Schlotzbach verhängt hatte. Die Strafen wurden zwar aufgehoben, aber die direkt darauf folgenden Demütigungen für die beiden und andere Gäste des Abends waren für manchen kaum zu ertragen, auch weil Seneschall und Fürst scheinbar bestrebt waren, sich im Sadismus ihrer Handlungen noch gegenseitig zu übertreffen. Aber der Reihe nach.

Carlos Oswald hatte die letzten Monate alptraumgeplagt in einer Kiste verbracht hatte, stets am Rand der Raserei und immer gerade außer Reichweite der tastenden Sonnenstrahlen. Er wurde von Sayids Kerkermeister vorgeführt, den ganzen Abend erniedrigt und am Ende des Abends als Mündel dem Caitiff Egon unterstellt, damit „die eine Schande die andere erziehen möge.“ Schlotzbach wurde vom Seneschall zwar von seiner Strafe freigesprochen, aber gleichzeitig zum „Bodensatz des Blutes“ erklärt. Fürst und Seneschall deklarierten ihn daraufhin prompt zum Kettenhund der Domäne, dem Sayids Folterknecht sogleich alle Moral und eigenen Willen nehmen sollte. In diesem Prozess wurde auch Oswald immer wieder gezwungen, seinen Freund zu demütigen, während die Domäne schockiert zusah, wie Seneschall und Fürst sich daran erfreuten.

Aber auch andere Anwesende bekamen ihr Fett weg. Fräulein Lieblich wurde ebenso wie die neue Malkavianerin Karla Fell von Fürst, Seneschall und Harpye brutal abgekanzelt und „durfte“ sich als Ausgleich dafür hoch verschulden. Der Fürst hatte das Bürgerrecht zum Kauf angeboten und man kaufte, allerdings zu horrenden Preisen. Manch einer wird sich gefragt haben, ob die hohen Schulden den extrem harten Treueeid wert waren, den man daraufhin dem Fürsten schwören musste. Jeder Bürger wurde dann sogleich noch mit einer Ohrfeige an seine Pflichten erinnert – von Rechten hörten die hochverschuldeten Neubürger erstaunlich wenig. Aber in Anbetracht der sadistischen Kreativität, die die „gütige Führung“ an diesem Abend entwickelt hatte, wollte da auch niemand so genau nachfragen.

Am Ende des Abends wurde die Blutjagd auf den Tremere Augustus Macellarius ausgerufen, der sich der Vorladung entzogen hatte. So wurde jeder der Anwesenden, auch wenn es kaum nötig gewesen wäre, an die neue, harte Linie erinnert, mit der der Fürst Hamburg nun führte.

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