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Gefallen und Schulden – Eine neue Währung


Stellt euch vor, ihr könntet jeden in eurer Umgebung mit euren bloßen Gedanken beeinflussen und ihn dazu bringen euch sein gesamtes Vermögen ohne zu Zögern zu überstellen. Stellt euch vor, ihr müsstet euch kein Auto mehr kaufen, ihr nehmt es euch einfach. Wie viel Wert hätten dann Geld und Gegenstände noch für euch? Genau, gar keinen! Und nun stellt euch eine Gesellschaft von Wesen vor, denen es allen so geht!

Die Gesellschaft der Vampire ist uralt. Jahrtausende überdauert sie bereits und hat dabei so einiges miterlebt. Geschichte, Politik und Kriege, aber auch die unterschiedlichsten Formen von Handel, Gütern und der Auffassung von Wohlstand und Sicherheit.

Ein Vampir schert sich nicht sonderlich um die Handelsgüter der Menschen. Braucht er sie, dann nimmt er sie sich. Dazu haben diese Wesen vielerlei Mittel und Wege den Geist zu manipulieren, romantische Gefühle auszulösen, Gewalt auszuüben oder schlichtweg ungesehen in den Banktresor zu schlüpfen und sich zu bedienen. Ressourcen-SB, wenn man so mag. Die Welt ist voll mit Geld und Wertsachen, allein in der Eurozone haben wir ein Bargeldumlauf von über 1 Billion (1000 Milliarden) Euro. Für einen Vampir ist es ein leichtes sich das benötigte Bargeld hiervon abzuzweigen. Es bedarf ein wenig Geschick und einer soliden Strategie, aber wenn man es nur wirklich will, dann bekommt man es auch.

Diese Medaille hat jedoch zwei Seiten. Auf der einen Seite bedeutet dies in der Theorie, dass jeder Vampir, sofern er denn schlau genug ist, nach menschlichen Maßstäben, stinkreich werden kann. Dies bringt uns zur anderen Seite: Wenn es mir genauso leicht fällt, eine bestimmte Summe an Geld zu beschaffen wie dir und es nahezu keinen Aufwand von eigenen Ressourcen benötigt, womit handeln dann Vampire untereinander? Menschliche Güter und Währungen haben ja keinen wirklichen Wert mehr.

Ein wirklich reicher Vampir besitzt also nicht zwangsläufig Wertsachen und Geld en masse. Nein, er besitzt etwas viel Wertvolleres. Etwas, dem Zeit und Kursschwankungen nichts anhaben können: Er besitzt die anderen Vampire.

Die Währung, von der wir im Vampire Live sprechen heißt „Gefallen und Schulden“. Das Prinzip ist hierbei ein ganz einfaches. Willst du etwas von mir, dann erwarte ich eine Gegenleistung. Einfacher, primitiver Handel. Doch anstatt, dass Geld den Besitzer für Ware wechselt, verschuldest du dich bei mir zu einem gewissen Grad. Habe ich nun später einmal Bedarf an einer Gegenleistung, dann löse ich diese Schuld bei dir ein und die Ehre und Gesellschaft verpflichtet dich dazu, in einem angemessenen Rahmen, meiner Forderung nachzukommen. Dies befreit dich nun von deiner Schuld und wir sind quitt. Wir gehen also bis zur Erfüllung der Schuld eine klassische Schuldner-Gläubiger-Beziehung ein, wie man sie in jedem BWL-Handbuch findet.

Natürlich ist eine Schuld oder ein Gefallen keine Generalvollmacht. Habe ich dich gebeten, für meine nächste Einladung 10 Liter Blut zu besorgen, dann wirst du für den Gefallen, den ich dir dafür gegeben habe nicht von mir verlangen können, dass ich losziehe, um einen uralten Ahnen zu töten. Es gibt eine weitläufig bekannte Skala an denen sich Wert und Gegenwert einer Schuld messen lassen. Natürlich gibt es auch hier einen gewissen Spielraum, welcher Verhandlungsgeschick und Wortgewandtheit des Gläubigers obliegt.

Aber kommen wir einmal zu diesen Kategorien und was sie ungefähr an Gegenleistungen abdecken:

Die kleine Gefälligkeit

Eine kleine Gefälligkeit ist, wie der Name schon sagt, eine Gegenleistung für eine einfache Dienstleistung oder eine simplere Aufgabe. Sie wird quasi als Handgeld benutzt und ist die am häufigsten genutzte Gegenleistung. Jedoch wird auch sie nur dann ausgesprochen, wenn der Vampir die geforderte Leistung derzeit nicht selbst erledigen kann.

Der mittlere Gefallen

Ein mittlerer Gefallen entspricht in etwa drei kleineren Gefälligkeiten. Sein Wert entspricht einer Leistung, die der einfordernde Vampir unter keinen Umständen selbst erledigen kann. Sie darf keine Gefahr an Leib und Leben beinhalten, den Schuldner jedoch durchaus in unangenehme und sozial kritische Situationen bringen.

Der große Gefallen

Hier wird es heikel. Der große Gefallen birgt eine immense Gefahr für den Schuldner. Ein Gläubiger kann hiermit beispielsweise Leibwache in einer gefährlichen Situation einfordern. Sie beinhaltet durchaus das Risiko des ersten Blutes (starke Verletzung), je nach Verhandlungsgeschick auch des zweiten (Starre). Jedoch wird sich ein Vampir auch als Gegenleistung für einen großen Gefallen niemals in akute Lebensgefahr bringen.

Auch können bestimmte Handlungen im Spiel dazu führen, dass man automatisch ein Schuldverhältnis eingeht. In diesen sehr seltenen Fällen kann eine Blut- oder Lebensschuld ausgesprochen werden. Diese Arten von Schulden werden niemals freiwillig angeboten, sie bedeuten nahezu lebenslange Knechtschaft und rauben einem Vampir im schlimmsten Falle seine hochgeliebte Freiheit. Zu beiden Schulden zitiere ich einmal das Buch der Gesellschaft:

Die Blutschuld

Die Blutschuld wird eingegangen, wenn X den Y vor einer Starre bewahrt oder aus einer solchen aufweckt, ihn in einer Situation ernährt, die andernfalls zu Starre oder Vernichtung geführt hätte oder sein eigenes oder das Blut eines Dritten für Y vergießt. Es gibt zwei Wege eine Blutschuld zurückzuzahlen: Einen Schritt eines Blutsbandes zum Gläubiger einzugehen oder eine der oben genannten Dinge für ihn zu tun.

Die Lebensschuld

Die Lebensschuld wird eingegangen, wenn X dem Y das Leben gerettet hat oder ihn bewusst verschonte, obwohl er legal die Gelegenheit hatte, ihn zu vernichten. Die Lebensschuld gilt nur dann als abgegolten, wenn der Schuldner dem Gläubiger selbst einmal das Leben rettet.

Ihr habt mit Sicherheit schon gemerkt, dass dieses System viele kleine Hebel und Hintertürchen hat, welche aus dem einfachen „Ware gegen Ware“-Paradigma eine komplexe Handelsmatrix macht. Um diesem System jetzt noch etwas mehr Pfeffer zu geben, kommen wir einmal zu den Einflüssen des gesellschaftlichen Standes auf den Wert eines Gefallens.

Die Frage, die wir uns stellen müssen ist: Ist eine kleine Gefälligkeit, ausgelobt von einem Ahnen gleichviel wert wie eine kleine Gefälligkeit von dem Neonaten Torsten Toreador? Und die Antwort hat natürlich viel mehr Facetten, als es auf den ersten Blick scheint.

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Nein! Eine kleine Gefälligkeit von einem hunderte Jahre alten Wesen, dass Einfluss und Macht besitzt ist ein vielfaches mehr wert als eine kleine Gefälligkeit von einem 40 Jahre alten Neonaten, der mit dir auf Augenhöhe steht. Dasselbe gilt natürlich auch etwas abgeschwächt für Ancillae. So kann man für eine kleine Gefälligkeit eines Ahnen im Tauschgeschäft durchaus auch einmal eine mittlere Gefälligkeit eines Neonaten loswerden. Aber zum Thema „Handeln mit Gefallen“ kommen wir noch.

Gefallen und Schulden die ihr von einem Alten, egal ob Ahn oder Ancilla, erhalten habt sind also mehr wert, als die eines Neonaten oder gar Kindes. Doch sind sie auch viel gefährlicher für euch. Denn erst einmal müsst ihr euch überlegen: Was fordere ich von einem so alten, gefährlichen und mächtigen Wesen? Was ist angebracht? Was ist eventuell beleidigend und kann mich meinen Kopf kosten? Und dann müsst ihr auch noch zusätzlich bedenken: Wenn ihr einen Alten erst einmal in eurem Auftrag losgeschickt habt, was passiert danach? Ihr habt euer mächtigstes Pfand aus der Hand gegeben, plötzlich seid ihr im schlimmsten Falle nicht mehr wertvoller, als der unbekannte Neonat X neben euch.

Die Wahrheit ist, Gefallen und Schulden von Alten sind ein teures, gerne gesehenes Handelsmittel. Doch werden sie nur selten wirklich eingelöst. Doch allein die Illusion der Macht über ein Wesen, so unbegreiflich wie die Alten, reicht den meisten Neonaten aus, um Sinn und Verstand auszuschalten und sich in Bieterkämpfen einen nach dem anderen zu übertrumpfen.

Doch eines sei hier noch einmal ausdrücklich gesagt: Kein, wirklich a-b-s-o-l-u-t kein Vampir verschuldet sich gern. Sich in ein Schuldverhältnis zu begeben, bedeutet seine Freiheit aufzugeben, sich gegebenenfalls in Gefahr zu bringen und seinen Kopf für die Probleme anderer hinzuhalten. Wenn ihr im Spiel um eine Schuld herumkommen könnt, dann wird euer Charakter alles daran legen sich nicht zu verkaufen!

Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass jeder Vampir sich alle zehn Finger nach den Gefallen eines anderen, nein, jedes anderen leckt. Umso mehr Gefallen von anderen du auf der Haben-Seite hast, umso reicher bist du nach den Maßstäben der vampirischen Gesellschaft. Und dies bringt mich auch gleich zum nächsten wichtigen Punkt – und ab hier wird es ein wenig komplizierter. Daher werden wir uns demnächst in einem gesonderten Post über das Thema: „Der Handel mit Gefallen und Schulden“ beschäftigen.

Bis dahin, danke für’s Durchlesen und viel Spaß beim Anwenden!

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