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Fräulein Lieblich und die Blutreinheit

Man stelle sich eine Gruppe von Personen vor, die über Eugenik und Blutreinheit diskutieren. Schlimm. Man stelle sich vor, diese Gruppe spricht über praktische Anwendungsmöglichkeiten dieser Konzepte. Schlimmer. Man stelle sich zuletzt vor, dass es sich dabei um untote Monster handelt, die jeder viele Leben auf dem Gewissen haben, in Seelenruhe Blut aus Weinkelchen trinken und über die eigene Überlegenheit über die menschliche Rasse diskutieren. Unsäglich. Nun, Seelenruhe mag übertrieben gewesen sein, die Gemüter waren durchaus erregt, als Fräulein Lieblich ihre ganz spezielle Tremere-Sicht auf die Blutreinheit vortrug. Allerdings meist nicht, weil man es moralisch verwerflich gefunden hätte: Man fand nur keinen gemeinsamen Nenner, wer oder was denn besonders unwert sein. Einige wenige Stimmen fanden sich gegen diese Einstellung, aber sie wurden nicht gehört. Vicky nicht, weil sie mit ihrer groben Ausdrucksweise wenig Anklang fand und als Kind ohnehin nicht gehört wurde, und Dr. Schubert nicht, weil er als Mündel auf diesen Abend kam, mehr noch: Als Mündel eines Caitiffs. Egon hatte ihn vor dem Abend gefunden, offenbar hatte Schubert sich bisher ohne Kontakt zur Vampirgesellschaft alleine vorgeschlagen und kam jetzt unfreiwillig mit ihr in Berührung. Dabei gab es nicht nur durch die Debatte einen guten Vorgeschmack auf das Kommende: An nur einem Abend wurde der arme Mann, der doch nur seine Ruhe wollte, in Starre geschlagen, ging erste Blutsbänder ein und verschuldete sich noch – vampirischer Alltag.

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