Jean-Francois Pereira

Jean-Francois Pereira

“Schön, sie verachten mich. Glückwunsch, das interessiert mich nicht. Sie sind Ancilla? Pfft, ich wurde schon von Frankreichs Kronharpyie für wertlos erklärt, was kümmern Sie mich denn?”


“Oh, brauchen wir hier heroische Kampfnamen? Dann bin ich das Faß ohne Boden!”

Viele von uns sagen über sich bedeutungsvolle Sätze wie „Auch Rosen haben Dornen“. Ich bin da mehr bei „Auch Rosen brauchen Dünger“ – und Dünger ist meist Abfall, langsam vor sich hin rottendes Material, an dem die Maden und Fäulniswürmer schon ihren Dienst begonnen haben in einem Werk, dessen Schönheit sich kaum ermessen…ich schweife ab. Mein Name ist Jean-Francois Pereira, ich bin Kanadier und halte derzeit wohl den Rekord für das schlechteste Benehmen innerhalb des Clanes und auch den für die Anzahl der Städte, die mich zur persona non grata erklärten. „Benimm dich. Steh gerade. Sauf nicht so viel. Sei nicht so peinlich. Du bist eine Schande für das Blut.“ Immer diese Vorwürfe von anderen Toreador, ich kann es nicht mehr hören, nach Jahrzehnten der Verachtung ist jeder von euch nur eine leicht misstönende Stimme in einem eher mittelmäßigen Chor.

Und als ob es so einfach wäre! Spielen Sie mal den abgehobenen, kultivierten Salonlöwen, nachdem Sie sich unter der Brücke in irgendeiner Großstadt wiederfinden, in einer Lache aus ihrem Erbrochenem und dem irgendwelcher Leute von letzter Nacht, deren Namen Ihnen partout nicht mehr einfallen wollen. Leben Sie einmal, eine einzige Nacht nur, mit den Bildern in meinem Kopf! Ich gebe sie gerne her. Nehmen Sie alles, nehmen Sie die Ratten, die meine Kameraden fressen, die Gesichter von all denen, die um mich herum fielen, das Sirenengeheul, das Gas…Gas…ich höre es. Dieses ferne, leise Zischen, die Befehle, die Schreie, den Kanonendonner. Schon wieder. Sie sind hier, sie sind ganz nahe. Lauft davon, wenn ihr wollt, sie werden euch erwischen, der Krieg wird euch erwischen, wie er jeden erwischt…ich schweife wieder ab. Ertragen Sie das einen Tag lang, ohne sich zu betrinken und ich gebe gerne zu, dass ich minderwertig bin. Bin ich ohnehin und da macht mir keiner was vor. Und jetzt habe ich nur noch eine verdammte Frage: Wo gibt es hier was zu saufen? Oder wollen Sie mir sagen, dass Sie Ihren Gästen nichts servieren? Ach richtig, Sie hatten mich ja explizit ausgeladen…

Ach du armes, leeres Weinfaß! Eine Tragödie auf untoten Beinen und trotzdem wird deine Geschichte aus 24 Kehlen im Chor gesungen. Meine arme Rose, geknickt sind deine Blätter, braun und schlaff, die Dornen weich und doch können sie hier und da noch stechen. Du bist die Kunst in dir selbst mein Lieber, einzigartig stellst du Verfall, Angst, Hass, Wut und eine traurige Geschichte dar. Nimmt man dich ernst? Das weißt du nicht, doch es ist dir egal. Es ist eine erfrischende Ignoranz mit der du das Hamburger Parkett besudeltst. Ich liebe es dir zuzuschauen, bleibe mir noch lange erhalten mein tragischer Freund.

Louis l’amour

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